Die Transpersonale Welt - Sex mit B.

Die Transpersonale Welt

Sex mit B.

 

Ich mache ein Nickerchen. Mitten in den Räumlichkeiten meines Arbeitsplatzes. Dort ist für so etwas Platz. Diese Freiheit fühlt sich toll an. Ich wache auf. Mein MP3-Player spielt noch immer: Kettcar [1]. Ein Stöpsel war während dem Schlaf aus meinem linken Ohr gefallen. B. sehe ich - jetzt - zum ersten Mal.

 

Sie setzt sich zu mir. Sagt, dass sie da „so eine Anziehung“ spürt. Ich schmunzle. Resonanz. Sie mit ihren roten Haaren. Ihrem liebevollen Wesen. Später am Abend gehen wir eine Pizza essen. Sie erzählt mir, dass sie Gedanken lesen kann. Mein Blick in ihren Ausschnitt und meine Gedanken, bereiten mir (deswegen) ein wenig Sorgen. Muss sie doch Bescheid wissen, woran ich gerade denke.

 

Ich denke weiter. Beruhige mich und mache mir klar, dass wenn B. mich gerne hat, für meine Gedanken Platz ist. Für meine Blicke. Alles okay. Ein paar Wochen später besucht sie mich in Graz.

 

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"Resonanz" kenne ich von den vielen Übungsstunden mit der Meditationsmethode Latihan. Wo ich lernte, zu spüren und zu begreifen, wie alles zusammengeführt werden kann. Zusammenführt. Zusammengehört. In Resonanz ist. In Resonanz sein kann. Und ich Teil davon bin. Beim Meditieren - im Leben. In dem was ich tue. Sage. Schreibe. Auch beim Sex. In den Küssen. Bewegungen. Blicken. Nicht einfach nur erlernt - sondern authentisch, frei und spontan. Begegne dabei mir selbst und zugleich dem Unbekannten. Etwas, das unvorhersehbar und vertraut ist. Zugleich. Meditation.

 

Das Nacktsein. Die Küsse und Bewegungen mit B. sind schön. Ihr Geruch. Ihre roten Haare. Ich bemerkte, dass sie da ist - und auch in ihrer Welt. Ich lasse mich darauf ein. Kaum Küsse, jedoch Bewegung. Sanft und liebevoll. Dann falle ich in eine - die ihre - Welt.

 

Das Gesicht von B. verändert sich. Es wird immer jünger. Ich spüre ein junges Kind. Sie erzählte mir einmal, dass sie von ihrem Opa vergewaltigt wurde. Dieses Gefühl ist da. Genau in diesem Moment. Sie ist das kleine Mädchen und erlebt - empfindet - die Vergewaltigung nach. Genau in diesem Moment, während wir Sex haben. Das ist mir klar.

 

Für mich ist das wunderschön: So viel mitempfinden zu dürfen. Es ist intim. Und Bs. Vergangenheit so stark, dass sie sich jetzt zeigt. Während wir Sex haben. Beim Küssen. In den Bewegungen. Geborgen. Ungeschützt. Unversteckt. Ich habe bedingungslos Platz für Sie. Und sie hat bedingungslos Platz für sich selbst.

 

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Das wissenschaftliche Paradigma der „Transpersonalen Psychologie“ erklärt solche Phänomene: Der Mensch kann Erlebnisse und Erfahrungen außerhalb der eigenen Persönlichkeit erleben. In Bilder eintauchen und Visionen haben. Unmittelbare Erlebnisse, die von Emotionen getragen sind. Spontan, in der Meditation, mit Drogen. Beim Sex.

 

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Nach dem Sex reden wir miteinander und erzählen uns von dem aus der Vergangenheit Wiedergekehrtem. Wir haben (offensichtlich) dasselbe erlebt. Und sie erzählt mir mehr von ihrer Vergangenheit - von dem was sie mit ihrem Opa erlebt hat. Wie sie damit jetzt umgeht: Dass sie damit einverstanden sei, dass Erlebtes davon immer wieder „hoch kommt“. Ins Bewusstsein tritt. Sie eintauchen lässt in einem Teil von sich selbst. Sie selbst reifen lässt. Und das Ganze zu einer großen Übung des Annehmens wird.

 

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Ich hatte mich nicht getäuscht. Als sich meine Wahrnehmung veränderte. Ich plötzlich fühlte. Zuerst „Fremdes“. Dann „Anderes“. Und indem, dass ich es annahm, wusste ich. Was gerade präsent wurde. Ist. Geschehen war. Bs. Vergangenheit. Vergewaltigung. Übergriffigkeit, von einem Menschen, dem sie vertraute. Während wir Sex hatten. Wir in die transpersonale Welt eintauchten.

 

Für B. war es die Gelegenheit, anzunehmen, dass das in ihrer Vergangenheit passiert war.

 

Für mich war es ein großes Erleben in meiner Biografie. Denn B. gab mir das Gefühl, dass ich wissen darf. Und ganz bewusst eintauchen darf. In die ihre Welt. Dass ich überall sein darf. Im Miteinander. Dem Leben. Während dem Sex. Wo ich wahrnehmen darf. In einer Welt, die von der Wissenschaft die transpersonale Welt genannt wird.

 

 

 

 

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Aus dem Buch

Newborn - Mein Sprung ins Leben

von Markus Messerschmidt

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