Die Schwelle der Angst - Entschung für das mir Unbekannte

Die Schwelle der Angst

Entscheidung für das mir Unbekannte

 

Emotionen stammen aus nicht verarbeiteten Lebenserfahrungen - und können als fühlbare Bewertungen des unbewussten Teils der Psyche - in Form von Traumatisierungen, Prägungen, Glaubenssätzen und versteiften Vorstellungen - das Leben bestimmen.

 

Das unbedachte oder unbemerkte Ausleben von Emotionen lassen Traumatisierungen, Prägungen, Glaubenssätze und versteifte Vorstellungen fortbestehen. Wo im Moment einer Entscheidung einst die Wahl hätte sein können: Für das Unbekannte, Mut und Liebe.

 

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D. ist gläubig und besucht regelmäßig Gottesdienste in der Kirche. Und jeden Tag betet sie. Eine Stunde lang. Auf den Knien. Vor ihrem Altar in ihrer Wohnung. Auf dem kalten Fließboden. Sie spricht davon, sich noch einmal taufen lassen zu wollen. Von den Zeugen Jehovas. In einem Stadion. Das konnte ich erleben, als ich sie wieder einmal in Wien besuchte.

 

An einem Morgen besuchen wir einen Gottesdienst im Wiener Stephansdom. Ich will verstehen und fühlen, was D. so sehr bewegt. Ich sitze auf der Bank neben ihr, sehe den Pfarrer, höre zu. Die Geschichte die er erzählt kenne ich. Aus dem Religionsunterricht und den wenigen Gottesdiensten, die ich in meiner Kindheit besuchte.

 

Ich bin uneins. Kann das, was ich sehe und höre, nicht mit mir in Zusammenhang bringen. Die Welt und der Kosmos erschließen sich mir nicht. Ich erschließe mich mir nicht. Durch das Gesehene und Gehörte. Bin getrennt. Nicht glücklich. Das musste ich ändern.

 

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Meditation befähigt Menschen dazu, Emotionen wahrzunehmen, zu fühlen und anzunehmen. Wodurch Ängste, Wut und Trauer das Leben nicht beeinflussen. Und der Mensch eine echte Wahl hat: Zwischen dem Fortsetzen einer Vergangenheit, die sich über Ängste, Wut und Traurigkeit über die Gegenwart in die Zukunft drängt. Oder dieser echten Gegenwart, wo das Glück innewohnt. Und ein glücklicher Mensch in die Vergangenheit zurückblickt. Glücklich in der Gegenwart lebt. Und sich glücklich der Zukunft anvertraut.

 

Glückliche Menschen sind mutig. Und gehen dabei neue Wege. In das für sie Unbekannte. Fernab von Traumatisierungen, Prägungen, Glaubenssätzen und versteiften Vorstellungen. Diese Einsicht wächst mit jedem Moment des Meditierens zu einem "Commitment" - eine Hingabe, Verpflichtung, Engagement und Einsatz für mehr: Ein authentisches Lebens.

 

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Auf dem Weg Heim, von Wien nach Graz, entscheide ich mich, von der Kirche auszutreten. Der Römisch-Katholischen. Ich bemerke, dass ich Angst habe, weil ich nicht weiß, was dann passieren wird.

 

 

 

In der Begegnung mit dem Unbekannten

sind Emotionen

Angst, Wut, Trauer und Freude

fühlbar

Begleiter.

 

Ungenutzte Schwellen

in meine selbstbestimmte Zukunft.

 

 

 

Angst ist der einzige Grund, warum ich nicht aus der Kirche austreten würde, realisiere ich. Ich bin paff und halte lange inne, um mich davon aufmerksam zu machen. Lange. Ich entscheide mich dafür, dass nicht die Angst bestimmen darf, sondern vielmehr ich die Entscheidungen - meine Entscheidungen - treffen will. Und atme tief durch. Fühle die Angst. Es ist einfach. Auf dem Weg in das Unbekannte. Das Formular liegt vor mir. Ich unterschreibe.

 

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Nachdem ich lernte, mit meinen Emotionen umzugehen - sie anzunehmen -, gelang es mir immer besser, dass nicht sie mich lenkten und Entscheidungen mittrugen. Ich sollte lernen selber zu entscheiden und mich dabei fernab von Angst, Wut und Trauer wiederzufinden.

 

Bei ähnlichen Zusammenhängen erzähle ich gerne, dass Angst, Wut und Trauer „Illusionen“ seien. Sie sind nicht Teil einer Welt, die wir betreten, wenn wir herausfinden (wollen), wer bzw. was wir wirklich sind und sein möchten.

 

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Nach dem Formalakt empfinde ich mich als der gleiche Mensch wie zuvor. Das eingetragene religiöse Bekenntnis hat mich als Person nicht definiert gehabt. Religion war nicht die Grundlage meines Seins gewesen.

 

Wie schön ist doch der Satz, der aus dem Mund meines spiritueller Lehrers stammt:

 

 

 

„The ultimate unknown is yourself.”

 

 

 

 

 

 

Aus dem Buch

Newborn - Mein Sprung ins Leben

von Markus Messerschmidt

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