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Latihan


Latihan

Latihan ist eine Meditationsform, die ihren Ursprung in Indonesien hat. Sie wurde von Muhammad Subuh Sumohadiwidjojo „entdeckt“ und hat sich in unterschiedlichen Formen und unter vielen Namen über die Welt ausgebreitet. Auf Deutsch übersetzt bedeutet das Wort „Latihan“ „Übung“.

 

Der Mittelpunkt der Meditationsform Latihan ist, der den spontanen Impulsen des Körpers einen Daseinsraum zu eröffnen, indem sie in Form von

  • Bewegungen
  • Tönen
  • Ausgesprochenen Wörtern
  • Gedanken
  • Taten etc.

frei zum Ausdruck gebracht werden. Für den praktizierenden bedeutet Latihan, eine unmittelbare Begegnung mit dem Unbekannten.

 

Einblick in die Latihan-Meditation

Latihan kann jeder Mensch für sich alleine oder in eine Gruppe gemeinsam mit anderen praktizieren. Ich mag Latihan-Meditationen in der Gruppe viel lieber, weil der "Energie-Level" viel höher ist und ich noch viel mehr zu erleben und zu sehen bekomme.

 

Ich habe auch viele unterschiedliche Formen von Latihan kennengelernt:

  • Bodyhan: Zwei Menschen machen gemeinsam Latihan. Wobei der Eine in die Rolle des Gebens schlüpft - und der Andere empfängt.
  • Receivehan: Das Geben und Empfangen von sexueller Energie kann der Mittelpunkt der Latihan-Meditation sein. Grenzen werden vorher festgelegt. Der Receivehan wird zu zweit oder in einer Gruppe praktiziert.
  • Angerhan: Das Ausdruck bringen von Wut ist der Mittelpunkt dieser Sonderform des Latihans. Der Prozess kann mit entsprechender Musik unterstützt werden.
  • Tantrahan: Körperlicher Sex wird mit Latihan verbunden.

Im Folgenden wird ein "klassischer" Latihan erläutert:

 

Schritt 1) Intention formulieren

 

Bevor eine Latihan-Meditation startet, wird eine Intention formuliert - sie wird dann im Gedanken symbolisch an das "Universum" abgeschickt. Desto liebevoller, stärker und klarer die Intention (gedanklich oder sprachlich) formuliert wird, desto wirkungsvoller wird der Prozess, der mit einer Latihan-Meditation möglich wird. Dabei kann jeder/jede für sich einzeln eine Intention und/oder die Gruppe gemeinsam eine Gruppenintention formulieren.

 

Auch haben die Praktizierenden einer Latihan-Meditation die Absicht, den inneren Impulsen des Körpers einen Ausdruck zu verleihen, was sie immer mehr mit dem „Jetzt“ verbindet: Es entsteht ein nachhaltiges Selbstempfinden und Selbstverstehen. Zudem einigen sich die Praktizierenden vor Beginn eines Latihans über die Dauer der Latihan-Meditation.

 

Schritt 2) Mit der "inneren Führung" verbinden

 

In der Latihan-Meditation wird den spontanen Impulsen des Körpers ein Daseinsraum eröffnet, indem sie in Form von Bewegungen, Tönen, ausgesprochenen Wörtern, Gedanken, Taten etc. frei zum Ausdruck gebracht werden. Die Praktizierenden verbinden sich dabei immer mehr mit ihrer "inneren Führung": Es entsteht eine nachhaltige Beziehung mit dem Körper und der Intuition.

 

 

Die folgenden beiden Videos geben  einen Einblick in eine Latihan-Meditation. Sie wird von Greg Ehmka angeleitet.

 

Video Teil 1

Video Teil 2

Schritt 3) Den Prozess leben und "rund machen"

 

Die Praktizierenden eines Latihans sind während der Meditation oft mit ´Ängsten konfrontiert. Das liegt vor allem daran, dass die Erfahrungen in der Latihan-Meditation nicht den gewohnten  sozial-gesellschaftlichen Formen des Miteinanders entsprechen (müssen). Auch begegnen die Praktizierenden in der Meditation sich selber - das schließt die eigenen verdrängten Ängste mit ein.

 

Mit Übung können Latihan-Meditationen immer besser mit den auftauchenden Ängsten gelebt werden: Ängste blockieren nicht den Prozess sondern werden in diesen integriert, indem sie zum Ausdruck gebracht werden. "Express the shit unconditionally", könnte eine Motto sein, um genau den Prozessen und unbewussten Strukturen begegnen zu können, die "normalerweise" in die Welt des Unbewussten verdrängt werden.

 

Es ist auch möglich, dass der Latihan von jemanden "geleitet" wird, der/die Erfahrung mit den Prozessen hat, die in einer Latihan-Meditation erlebt werden können. In einem "geführten Latihan" übernimmt eine Person die Aufgabe den Teilnehmenden die Schritte 1, 2 und 3 bewusst und liebevoll erleben zu lassen:

 

Bei Schritt 1  werden die Teilnehmenden (mit ihren Themen und Problemen aus dem Alltag) "abgeholt" und dabei unterstützt, eine klare, positive, den Bedürfnissen entsprechende Intention zu formulieren .

 

Bei Schritt 2 werden die Teilnehmenden dabei unterstützt, den Fokus der Aufmerksamkeit auf den Körper zu lenken - bis eine gewisse Ruhe und Balance entsteht. Anschließend können Impulse oder auch Emotionen und Verspannungen des Körpers ausgedrückt werden. Die Teilnehmenden können dabei zu einer Selbstwahrnehmung gelangen, die ihnen erlaubt, so zu sein, wie sie gerade sind. Bestenfalls werden dann die Impulse des Körpers "unconditionally" ausgedrückt und die Teilnehmenden finden sich in ihrer "inneren Führung" wieder. In einem weiteren Schritt kann der Leiter der Latihan-Meditation darauf hinweisen, dass Interaktionen mit anderen der Gruppe möglich sind.

 

Der/die LeiterIn der Latihan-Meditation hat auch die Aufgabe Schritt 3 zu unterstützen, indem er/sie den "Raum hält": Durch die aktive Mitgestaltung von Schritt 1 und 2 wird die Grundlage dafür gelegt. Den "Raum zu halten" bedeutet, den Teilnehmenden ein Gefühl zu geben, dass sie so wie sie sind, sein dürfen. Das erfordert die Fähigkeit des/der LeiterIn, in sich zu Ruhen - er/sie reagiert nicht auf das erlebte, sondern agiert und bleibt in seiner/ihrer "inneren Führung".

 

Teilnehmende und der/die LeiterIn tragen gleichermaßen zum Gelingen der Prozesse in der Latihan-Meditation bei, indem sie ihren ganz persönlichen Ausdruck leben: Sie gestalten intuitiv mit ihrer "inneren Führung" einen Raum der bedingungslosen Liebe für sich selbst - und dabei auch für die Anderen. Sie begegnen dem Unbekannten und manifestieren dabei ihre Intention(en).

 

Sofern die Intention zur Dauer der Latihan-Meditation  klar formuliert wurde, endet der Prozess in der Regel genau zu dieser Zeit. Auch werden Erfahrungen - entsprechend der formulierten Intentionen - erlebt, insofern sie in entsprechender Qualität formuliert wurden und die Teilnehmenden sich in ihrer "inneren Führung" widerfinden haben können. Mit Ende der Latihan-Meditation sollten sich die Teilnehmenden dann auf eine gewisse Weise wohl bzw. "rund" anfühlen.

 

Schritt 4) "Sharing"

 

Ich verbinde eine Latihan-Meditation am Ende gerne mit einem "Sharing". Sie unterstützt die Teilnehmenden dabei, das im Latihan Erlebte in die Persönlichkeit (Geist und Sprache) stimmig zu integrieren. Ebenso kann Schritt 1) in Form eines Sharings gestaltet werden.

 

Die Möglichkeiten mit Latihan

Mit Latihan lernt der Mensch, sich nicht anhand von vorgefassten Meinungen und Muster (Vorstellungen, Glaubenssätze, Prägungen und Traumata) sein/ihr Tun und Denken zu gestalten, sondern auf Basis der Intuition bzw. einer inneren Stimmigkeit zu leben. Darin liegt die Übung, die Latihan ist.

 

Das Selbstverstehen und die konstruktive Auseinandersetzung mit den vielseitigen Aspekten des Lebens in "den Begegnungsräumen" des Latihans sind wesentliche Aspekte des während der Meditation stattfindenden Lernprozesses.

 

Latihan ermöglicht so, dass der Mensch sich den eigenen Intentionen und Träumen widmet - und eine für ihn/sie stimmige Wirklichkeit kreiert, die das Mögliche zu übertreffen vermag: In der Begegnung mit dem Unbekannten (im "Jetzt") und durch die Integration der dabei gesammelten Erfahrungen wird es möglich, dass der Mensch sich über das (gerade noch) Gekannte und Gewusste hinausentwickelt.

 

Mit Latihan und bewusst formulierten Intentionen ist es den Praktizierenden möglich,

  • durch Übung mehr in der Gegenwart zu sein
  • und dabei über sich selbst hinaus zu wachsen.

 

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