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Sprache und selbstbestimmtes Lernen


Das Sprachsystem

Wörterbücher - egal welcher Sprache - weisen eine sehr interessante Eigenschaft auf: Jedes Wort, das darin steht, verweist auf andere Wörter. Auf diese Weise nimmt das Wörterbuch die Form eines selbstreferienziellen Systems an, das in sich geschlossen ist.

 

Bedeutend dabei ist, dass über ein Wörterbuch jedoch nicht herausgefunden werden kann, welche Bedeutung einzelne Wörter haben. Dies beschreibt Heinz von Foerster  (2003, S. 296) wie folgt:

 

„...language protects itself against explanation by always speaking about itself. There is a word for language, namely »language«. There is a word for word, namely »word«. If you don͛t know what word means, you can look it up in a dictionary. I did that. I found it to be an »utterance«. I asked myself, »What is an utterance?« I looked it up in the dictionary. The dictionary said that it means »to express through words«. So here we are back where we started. Circularity; A implies A."

 

Sprache - und die Welt in der Wir leben

Wörter definieren sich vielmehr über die Art und Weise, wie Menschen sie verstehen und verwenden: Das Wertesystem eines jeden Einzelnen und das Wertesystem der Gesellschaft gestalten Sprache - und darüber die Welt in der wir leben.

 

Werte verändern sich jedoch über die Zeit. Das gilt für die des Einzelnen, wie auch für die der Gesellschaft. Das gestaltet die Veränderung in unserer Welt - wobei das Sprachsystem im Grunde das Selbe bleibt.

 

Die zwei Wesen der Sprache: Ethik und Moral

Insbensondere - die innere Welt - der Körper und Geist des Menschen sind Ausgangspunkt für die vielen Möglichkeiten, wie sich die Welt verändern kann. Im sprachlichen Miteinander gestalten wir diese Veränderung auf Gesellschaftsebene.

 

Individuell, wie auch kollektiv entscheiden wir dabei, was real ist und was nicht bzw. was real sein soll und was nicht real sein soll. Dabei werden die zwei Wesensformen der Sprache sichtbar, durch die sich Veränderung gestaltet: Ethik und Moral.

 

Das Wesen der Ethik

Jeder Mensch findet sich (immerwährend zurückgeworfen auf sich selbst) in seiner eigenen (inneren körperlichen und geistigen) Welt wieder. Im sprachlichen Miteinander kann dieser Welt ein Daseinsraum eröffnet werden, indem sie im Dialog als real angesehen wird: Es wird vorausgesetzt, dass der Mensch selbst denkt und steuert.

 

Jeder Mensch ist aus dieser ethischen Perspektive zur Unterscheidung und Entscheidung fähig. Das gilt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Ihre Bedürfnisse sind der Ausgangspunkt dafür, welche Ziele, Absichten und Träume sich während des Lebens ausformen. Die Werte ändern sich mit dem von den Erfahrungen Erlerntem.

 

Diesen Prozess unterstützen wir mit unseren Werkzeugen der Meditation gezielt und nachhaltig: Mit dem Intentiondialog werden Bedürfnisse, Wünsche, Ziele und Träume sichtbar gemacht und integriert. Die dabei gemachten Erfahrungen werden wertfrei im Sharing geteilt.

 

Das Wesen der Moral

Moralische Menschen wollen von Außen auf die innere (körperliche und geistige) Welt und das Verhalten eines Einzelnen einwirken, in dem sie sprachlich postulieren, was sein soll bzw. muss oder nicht sein soll bzw. darf.

 

Das Motiv ist, die Formen der Welt (Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Situationen) kontrollieren zu wollen. Die Gründe hierfür sind

  • ein entsprechendes moralisch-sprachliches Selbstverständnis
  • ein Unbewusstsein über die eigene Freude, Angst, Wut, Trauer und Hass.

Die Folge eines solchen sprachlichen Miteinanders ist, dass Menschen ihre Selbstbestimmtheit verlieren: Indem Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kommuniziert wird, wie sie sich verhalten sollen, was sie lernen sollen, wie sie lernen sollen etc. wird ihnen die Möglichkeit genommen, sich selbst kennenzulernen (Selbstbewusstsein) und selbst das Leben zu gestalten (Selbstsicherheit).

 

Das Sprachsystem unsere Schule des Lebens

In der Schule des Lebens Österreich finden wir uns in einem ethischen Selbstverständnis von Sprache wieder. Das selbstbestimmte Lernen möchten wir uns selber und jedem anderen Menschen ermöglichen und vermitteln.

 

Neben den bereits genannten Werkzeugen unserer Meditation (Intentiondialog und Sharing) wenden wir auch Latihan an, um uns selbst kennenzulernen und unsere Intuition zu schulen. Emotional Clearning Work ermöglicht uns, nicht durch unsere Emotionen gesteuert zu sein, sondern dem Leben vielmehr in emotionaler Klarheit zu begegnen. Dies ist die Grundlage für unser Sprachsystem und die Schaubildarbeit.

 


Literatur:

 

von Foerster, H. (2003). Understanding Understanding: Essays on Cybernetics and Cognition. New York: Springer.

 

 

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