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Moral und Ethik im Detail


Das Wesen der Moral

Die Moral leitet sich aus der Anweisung "ich soll" bzw. "du sollst" oder "ich muss" bzw. "du musst" ab: Mit der Moral gibt sich der Mensch selbst oder geben sich Menschen untereinander Anweisungen. Zugleich machen sich Menschen im moralischen Miteinander auch darüber aufmerksam, was sie nicht erleben wollen.

 

Dabei ist von Bedeutung, dass Menschen, die sich in der Befolgung von Anweisungen wiederfinden, nicht selbst dafür entscheiden, was sie für stimmig empfinden bzw. tun oder tun wollen: Das Leben gestaltet sich- in der Sprache vermittelt - entsprechend (selbst und von außen) vorgegebener Glaubenssätze, Regeln, Definitionen und Interpretationsmuster.

 

Werte werden im moralischen Miteinander nicht vermittelt, sondern nur das Leben in den Möglichkeiten der Moral-Regeln. Das dies kroteske Züge annehmen kann zeigt das folgende Beispiel:

 

Es heißt, "Du sollst nicht töten!" und dessen (gesetzliche) Konsequenz kann lauten: "Wenn du tötest, musst du zwanzig Jahre im Gefängnis verbringen".

Von Foerster (2014, S. 20) verweist darauf, dass diese zwei Sätze zusammen auch „Du darfst töten, aber es kostet dich zwanzig Jahre." heißen kann - und führt weiter aus: „wo du Strafe und Lohn einführst, wird jede Handlung zum
Geschäft".

 

Das Wesen der Ethik

Das Problem mit der Ethik ist, dass über sie nur sehr schwer gesprochen werden kann: Denn in dem Moment, wo angefangen wird, über Ethik zu sprechen, in dem Sinne, was Ethik ist und was sie soll etc., rutscht die ganze Diskussion in das Moralisieren ab (von Foerster 2014, S. 20).

 

Das Wesen der Ethik ist vielmehr dazu fähig dem Anderen (Mitmenschen,  Meinungen, Unvorgesehenes) einen Daseinsraum zu eröffnen. Dabei wird Ethik als eine Form der Liebe sichtbar, die Miteinander gestaltet: Indem der Mensch dem Anderen in seinem eigenem Fühlen, Denken und Selbstverständnis einen Daseinsraum eröffnet, wird das Andere Teil des eigenen Fühlens, Denkens und Selbstverstehens (Messerschmidt 2017).

 

Das ist der Wert, der im Wesen der Ethik vermittelt wird. Dies geschieht durch ein Vorleben von Liebe - dem körperlichen, geistigen und sprachlichen Vermögen eines jeden Einzelnen sich als Teil der Welt zu betrachten.

 


Literatur:

 

Messerschmidt, M. (2017). Mit Liebe Lernen: Eine nachhaltige und kybernetische Auseinandersetzung mit dem Leben. Norderstedt: BoD.

von Foerster, H. & Bröcker, M. (2014). Teil der Welt. Fraktale einer Ethik – oder: Heinz von Foersters Tanz mit der Welt. (3. Aufl.) Heidelberg: Carl-Auer.

 

 

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