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Die Arbeit mit den Emotionen


Emotionen Wahrnehmen

Das Wahrnehmen der eigenen Emotionen ist für die meißten Meditierenden eine Herausforderung. Ich schlage den SchülerInnen in meinem Unterricht deswegen vor, in ihrem Körper nach den folgenden vier Basis-Emotionen zu suchen und mit ihnen zu arbeiten:

  1. Freude
  2. Angst
  3. Wut
  4. und Trauer

Sie können Teil eines größeren Empfindungsspektrum sein, das viele weitere Facetten haben kann. Die folgende Grafik gibt hierzu einen Überblick:

 

Grafik: vgl. Newen et al. (2011)

 

Unsere Erfahrung zeigt uns, dass dieses Empfindungsspektrum - Emotionen, Gedanken und Gefühle im folgenden Zusammenhang stehen:

 

1. Emotion können unmittelbar im Körper wahrgenommen werden:

Wohlbefinden, Unbehagen, Freude, Angst, Wut und Trauer

 

 > Emotionen sind kein Ergebnis von Gedanken

Die Basis-Emotionen Freude, Angst, Wut und Trauer empfinden wir, ohne über etwas nachzudenken. Sie sind grundlegende Affektprogramme, die unabhängig von der bewussten Reizverarbeitung und auch unabhängig von langsameren kognitiven Prozessen wie Gedanken ablaufen (Newen et al. 2011). Sie entstehen also nicht als Teil oder als Ergebnis unserer Gedankenwelt.

 

2. Mit unseren Gedanken können wir Emotionen interpretieren. Es entsteht ein Selbst- bzw. Welt- und Wissenschaftsbild, das den Emotionen entsprechen kann:
"Ich bin Teil der Welt."  "Ich bin nicht Teil der Welt."  "Ich werde es schaffen."  "Ich bin faul."  "Die Welt ist gut."  "Ich mag Menschen."  "Wir sind alle miteinander verbunden." "Ich hasse mich." etc.

 

 > Mit Freude Angst, Wut und Trauer die Welt erklären

Gedanklich und sprachlich finden sich die Menschen im immerwährenden Versuch wider, sich und die Welt zusammenhängend mit den eigenen Körperempfindungen (Emotionen, Gefühle, Verspannungen etc.) zu erklären (Gazzaniga et al. 1978). Freude, Angst, Wut und Trauer werden so Teil des Selbst- bzw. Welt- und Wissenschaftsbildes.

 

3. Unsere Gedanken - das "Bild", das wir von uns selber und von der Welt haben, verursacht die den Gedanken entsprechenden Gefühle:
Heiterkeit, Zufriedenheit, Gefühl der Bedrohung, Beklemmung, Verärgerung, Frustration, Enttäuschung, Niedergeschlagenheit, Liebe, Glück, Scham, Eifersucht, Neid, Zorn, Verachtung, Trauer etc.

 

> Durch das Denken entstehen Gefühle

Erst durch die bewusste Reizverarbeitung bzw. die langsameren kognitiven Prozesse (durch unsere Überzeugungen, Vorstellungen, Überlegungen etc.) entstehen Gefühle wie Heiterkeit, Zufriedenheit, Beklemmung, Verärgerung, Frustration, Scham, Neid, Zorn, Verachtung etc (vgl. Newen et al. 2011).

 

Pshychologie im Kontext der eigenen Emotionen

Folglich bedingt sich der Erfolg in der Auseinandersetzung mit den Emotionen im Wissen darüber wo diese zuzuordnen sind. Denn oft ist es der Fall, dass die Menschen sehr viel denken und dementsprechend viele Gefühle haben, was sie unruhig und nicht glücklich macht.

 

Den eigenen Geist - das Denken - darin zu schulen,

  • die eigenen Emotionen wahrzunehmen (anstatt unbedacht immerwährend aufbauend auf diese neue Gedanken und Gefühle zu erzeugen),
  • mit der Intuition zu arbeiten
  • und ausgehend hiervon - einer "intuitiven Wahrnehmeung" - Gedanken und Gefühle entstehen zu lassen

sind unserer Erfahrung nach die Grundelemente für selbstbestimmtes Lernen und Tun.

 

In der Meditation richten wir den Fokus deswegen auf unsere Emotionen Freude, Angst, Wut und Trauer: Wir nehmen sie bewusst wahr, wodurch wir sie annehmen können. Um das zu üben und zu erreichen, benützen wir in unserer Meditation die Werkzeuge Emotional Clearing Work und Intentiondialog.

 

Durch die dabei gewonnene Selbstsicherheit, in der Wahrnehmung und dem Annehmen von Emotionen, finden wir uns in der stabilen Auseinandersetzung mit unserer Intuition wider: Neue Gedanken können sich durch die Intuition ausbilden. Es entsteht eine nachhaltige Veränderung in unserem Selbst- bzw. Welt- und Wissenschaftsbild. Um das zu üben und  zu erreichen, benützen wir in unserer Meditation die Werkzeuge Latihan, Sharing und Schaubildarbeit.

 

Wie wir mit den Emotionen in der Parxis Arbeiten

Zu Beginn unserer Meditationen formulieren wir Intentionen: Absichten, die bewusst formuliert werden und Bedürfnisse, Ziele, Wünsche und Träume der Meditierenden wiederspiegeln.

 

Dabei zeigt sich, dass die in der Meditation wahrgenommene Emotionen, Gedanken, Bilder und Gefühle der Ausdruck dessen sein können, wo sich die Meditierenden - im Zusammenhang mit der formulierten Intention - selbst im Weg stehen. Sie sind mit ihrer Vergangenheit (Prägungen, Erfahrungen, Glaubenssätze etc.) konfrontiert.

 

Auch können Ideen und Gedanken, die im Zusammenhang mit der formulierten Intention stehen, präsent werden: Lösungen, Erkenntnisse oder weitere Bedürfnisse werden sichtbar. Ideen und Gedanken werden in Freude, Liebe,... erlebt. Ein Gefühl, das sich gut anfühlt - liebevoll ist - und der Ausdruck von Hoffnung, Zuversicht und Freude ist, wird wahrgenommen. Die Meditierenden sind in der Gegenwart "gelandet" und arbeiten mit ihrer Intuition.

 

Unsere Erfahrung zeigt uns, dass der in der Meditation gerichtete Fokus auf die Emotionen und das Annehmen von Freude, Angst, Wut und Trauer ermöglichen, dass

  • die Vergangenheit angenommen werden kann. Nicht nachhaltige Prägungen und Glaubenssätze (die den Intentionen der Meditierenden - Bedürfnisse, Ziele, Wünsche und Träume - widersprechen) können losgelassen und aufgelösten werden.
  • Gedankenstille eintritt.
  • sich (schmerzende) Körperempfindungen auflösen.
  • nach und nach Bilder, Vorstellungen und Gefühle entstehen, die konstruktiv und angenehm sind bzw. dem Meditierenden Wohlempfinden schenken.

 


Literatur:

 

Gazzaniga, M. S., LeDoux, J. E. (1978) The Integrated Mind. New York: Springer.

 

Newen, A. & Zinck, A. (2008). Der Ursprung allen Ärgers – und aller Freude RUB-Philosophen veröffentlichen neue Theorie der Emotionen: Wie aus Unbehagen erst Angst und dann Eifersucht wird. http://www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2008/msg00073.htm, Zugriff 19.05.2018.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Toto (Donnerstag, 30 August 2018 16:23)

    Hallo.
    Danke für den Beitrag. Jetzt kenn ich mich bei mir selbst besser aus.
    Ich wollte noch folgendes anmerken: Kinder kommen nicht mit diesem Wissen auf die Welt, darum ist es entscheidend welche Möglichkeit und Unterstützung sie in der emotionalen Reifung bekommen. Wenn ein Kind nun sich unbehaglich fühlt (oder auch wohl fühlt) dann ist es wichtig, dass die Eltern, die hinter der zum Ausdruck gebrachten Reaktion Emotion und in weiteren Sinne auch das Gefühl und das Bedürfnis für das Kind -in den in der Situation stattfindendem Gespräch - benennen. Somit kennt sich ein Kind Schritt für Schritt bei sich selbst besser aus und lernt sich kennen. Diese Form der Kommunikation kann leicht in den Alltag, in den Situationen in denen Kinder "ausrasten" oder sich "daneben" benehmen integriert werden.

    Ich hoffe ich kann allen Eltern behilflich damit sein.

    Pce On