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Über die Schaubildarbeit


Schaubildarbeit

 

Stellen Sie sich eine Gruppe von Kindern und/oder Erwachsenen vor. Sie verbindet das gemeinsame Ziel, von und miteinander zu lernen. Unterstützt von einem/einer GruppenleiterIn widmen sie sich oft über mehrere Wochen einem Thema oder sogar einem ganzen Themenkomplex. Sie wollen verstehen, begegnen sich dabei selber und lernen Mathematik, Biologie, Psychologie etc.

 

Das Lernen mit der Schaubildarbeit findet sich in den vier Säulen des Lernens wieder, wie sie im Delors Report (1996) Erwähnung finden. Diese lauten wiefolgt:

  1. Lernen, Wissen zu erwerben (Denk- und Urteilsfähigkeit)
  2. Lernen, zu Handeln (Entscheidungs- und Handlungskompetenz)
  3. Lernen, zusammen zu leben (Beziehungsfähigkeit bzw. Gemeinschafts- und Konfliktfähigkeit)
  4. Lernen, zu sein (Selbstbewusstsein, Kreativität, Ausdruck und Ganzheitlichkeit)

In diesen lassen sich die Möglichkeiten und die Bedeutung von Schaubildarbeit gut erkennen. Wissen ist hier nur eine von vier wichtigen Säulen, die wir brauchen, um gemeinsam erfolgreich die Zukunft meistern zu können. Und genau aus dieser Absicht heraus hat sich die Schaubildarbeit allmählich entwickelt.

 

Voraussetzungen für die Schaubildarbeit

Für die Schaubildarbeit als Methode zur Wissensvermittlung braucht es eine sehr klar Ausgerichtete, intelligent zugeneigte, aus sich selbst gewachsene, sich selbst weiterentwickelnde Gruppe von Menschen - und vor allem eine in sich stimmig-geschlossene (Päd-)Agogik, die von allen am Schul-, Lern- und Gemeinschaftsprozess  Teilnehmenden (SchüleInnen, Eltern, LehrerInnen bzw. LernbegleiterInnen, Gemeinschaf etc.) mitgetragen wird.

 

Die Voraussetzungen einer guten Schaubildarbeit sind die selben, wie sie eine Gemeinschaft braucht, um erfolgreich Ziele zu erreichen - anschaulich kann das bedeuten:

 

Stellen Sie sich eine Schule vor, wo sich die SchülerInnen gegenseitig unterstützen. Wo für den "Vorsichtigen" und seine Anmerkungen, Ängste und Umsicht Platz ist. Wo der "Schnellen" und "Wissenden" die Aufgabe gestellt wird, ihr Wissen umsichtig und geduldig zu vermitteln.

 

Stellen Sie sich vor, diese SchülerInnen unterstützen sich auf eine solche Weise nicht nur selbst, sondern dann auch ihre LehrerInnen - und die LehrerInnen unterstützen ihre SchülerInnen, mit all ihrem Wissen und ihrer Erfahrung.

 

Das Lernen in der Gruppe

Die Schaubildarbeit ist in diesem Sinn eine Methode der Wissensvermittlung, durch die ein persönliches und soziales Sein bzw. Tun nachhaltig gestaltet wird: SchülerInnen lernen sich und ein Thema bzw. Themenkomplex kennen - und reifen dabei zu selbstbestimmten Persönlichkeit heran, die um Vieles wissen.

 

Das übergeordnete Ziel der SchülerInnen kann dabei auch sein, "GruppenleiterIn" zu werden, um dann selbst einer Gruppe von Menschen das in der Schaubildarbeit innewohnende Selbstverständnis zu vermitteln: SchülerInnen werden Persönlichkeiten, die in ihrer Klasse, der Schule, der Familie und dem sozialen Umfeld nachhaltiges, persönliches und soziales Wachstum gestalten.

 

Aus Sicht der Schaubildarbeit ist Wissen das Ergebnis einer guten Balance und Entwicklung dreier Säulen des Lernens (Delors Report 1996), die sich aus dem Tun (2. Säule), der Gemeinschaft (3. Säule) und dem Sein (4. Säule) erschließt. Sie bilden (erst) die Basis, worauf nachhaltiges Lernen und gemeinsames Wachsen stattfinden kann.

 

Der Begriff des Lernens muss dabei neu definiert werden. Anstatt Dinge auswendig zu lernen, müssen wir uns gemeinsam auf das Lösen konkreter Aufgaben fokussieren: „Wir wollen kräftige, selbstbewusste und selbstverantwortliche Menschen sein, die die Welt verändern, also werden wir an uns arbeiten“.

 

Das Bild vom Eisberg

Für Außenstehende wird die Methode der Schaubildarbeit meist nur als "Spitze eines Eisbergs" sichtbar. Viele wundern sich, warum das Lernen so harmonisch und freudig funktioniert...

 

Der Großteil des Eisbergs liegt ja bekanntlich unter Wasser: Begriffe wie Persönlichkeitsentwicklung, Bewusstseinserweiterung, Emotionen, Gefühle, Heilung, Friede und Gelassenheit, sowie Beziehungsfähigkeit und Vorbildwirkung sind für die Schaubildarbeitsgruppe in ihrem Lernen Teil einer immanenten Auseinandersetzung mit sich selbst und dem anderen. Vor allem die GruppenleiterInnen bzw. die (Päd-)AgogInnen müssen diese in sich selbst geschult haben und in ihrem Umfeld entstehen lassen können.

 

Wissenschaft und Schaubildarbeit

Das Potential der Schaubildarbeit, wird im "Wesen" der Wissenschaft sichtbar. So finden sich Wissenschaftler immerwährend in bereits Erdachtem wieder -  ergänzen und erneuern Wissen. In der Schaubildarbeit beginnt die Gruppe mit dem, was gewusst wird und "gräbt" sich dann tiefer in die Materie - und findet sich dann in einem neuen Welt- und Selbstverstehen wieder.

 

Das Erlernte und Erfahrene vermitteln dann die Gruppe oder Einzelne der Gruppe in einer "Schaubild-Übergabe": Das Wissen wird weitergereicht und ist wiederum auf das Neue Anknüfungspunkt einer neuen Wissenschaft.

 

Dadurch entsteht eine umfassende Wertschöpfung von Wissen. Die Lernenden hinterfragen, überprüfen und inspirieren sich gegenseitig - und ermöglichen dadurch Erfindungen und Entwicklungen.

 


Anmerkungen:

 

Dieser Text (in seiner Rohfassung) stammt aus dem Jahr 2016 von Semjon Alexander Kaindl und wurde im Rahmen der Forschungstätigkeiten am Colearning Wien verfasst. An diesen war Markus Messerschmidt umfassend beteiligt. Der Text wurde von Markus Messerschmidt editiert und veröffentlicht.

 

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie u.a. in der folgenden Literatur:

 

Laloux, F. (2015). Reinventing Organizations: Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit. München: Vahlen.

Messerschmidt, M. (2017). Mit Liebe Lernen: Eine nachhaltige und kybernetische Auseinandersetzung mit dem Leben. Norderstedt: BoD.

Scharmer, C. O. (2009). Theorie U: Von der Zukunft her führen. Heidelberg: Carl-Auer.

 

Im Text verwendete Literatur:

Delors Report (1996). Learning: The Treasure Within. UNESCO Publishing.
(Link)

 

 

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